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Generalplan Ost

https://de.wikipedia.org/wiki/Generalplan_Ost

Das Konzept vom „Lebensraum im Osten“

Hauptartikel: Lebensraum im Osten

Während die Deutschen im 19. Jahrhundert Kriege zur Erlangung eines einheitlichen Nationalstaates führten und diesen erst mit der Reichsgründung 1871 verwirklichen konnten, trat von den westeuropäischen Staaten aus der Imperialismus bereits in seine Blütezeit. Reichskanzler Bernhard von Bülow begann 1897 für Deutschland zunächst vor dem Reichstag „unseren Platz an der Sonne“ zu beanspruchen, was Kolonien und Einflusszonen und insgesamt „Weltpolitik“ heißen sollte.[1] 1916 knüpfte Bülow an den von Gustav Freytag seit 1859 entfalteten Gedanken von der mittelalterlichen Ostsiedlung als der „größten That des deutschen Volkes in jenem Zeitraum“ an und hielt fest: „Die gewaltige östliche Kolonisationsarbeit ist das beste, das dauerndste Ergebnis unserer glanzvollen mittelalterlichen Geschichte.“[2] Im ersten deutschen Historikerstreit, dem Sybel-Ficker-Streit, ging es vordergründig um die Gegenüberstellung der mittelalterlichen Ostexpansion mit der Italienpolitik der römisch-deutschen Kaiser, aber auch um die Beantwortung der politischen Ausrichtung des entstehenden Nationalstaats. Mit Bezug auf die mittelalterliche Landnahme deutschsprachiger Siedler in Mittel- und Osteuropa wurde die Idee der Deutsche Grenzkolonisation zunehmend populär. Mit Gustaf Kossinna und Friedrich Ratzel traten der historischen Betrachtungsweise archäologische und geographische Gesichtspunkte an die Seite, die im imperialistischen Konzert auf die grenzkolonisatorische deutsche Expansion zum „Lebensraum im Osten“ setzten.[Spoiler (click to open)] Paul de Lagarde übersetzte sie seit 1875 am wirkungsvollsten und nachhaltigsten in politische Forderungen, indem er die „allmähliche Germanisierung Polens“ als höchstes Ziel deutscher Politik propagierte.[3] Das ließ in der deutschen Gesellschaft, besonders unter nationalistisch eingestellten Intellektuellen, zunehmend die Vorstellung von einem naturgegebenen spezifischen „deutschen Drang nach Osten“ entstehen. Bei der Gründung des „Alldeutschen Verbandes“ hieß es 1891: „Der alte Drang nach dem Osten soll wiederbelebt werden.“[4] Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich verbreitete diese Ideen weiter. Auch die 1918 entwickelten deutschen Kriegsziele im Osten während des Ersten Weltkriegs standen in dieser Tradition. Die Vorstellung, die sozialen Probleme und die vermeintliche Überbevölkerung Deutschlands sollten durch die Gewinnung neuen Siedlungsgebietes in Osteuropa gelöst werden, wurde mit dem Schlagwort vom „Volk ohne Raum“ ausgedrückt, das während der 1920er Jahre in der Zeit der Weimarer Republik u. a. durch den Schriftsteller Hans Grimm verbreitet wurde; außerdem wurde die Lebensraumidee durch den Geografen Karl Haushofer, einen bedeutenden Vordenker des Nationalsozialismus, propagiert.

Einige Planungen sahen vor, Teile der Bevölkerung Polens und der westlichen Teile der Sowjetunion nach Sibirien zu deportieren. Nach der am 28. Mai 1942 vorgelegten und im Dezember noch einmal überarbeiteten Version sollten das Wartheland, Ostoberschlesien und Westpreußen einschließlich von Teilen des „Generalgouvernements Polen“ (GG) völlig „eingedeutscht“ und in Teilen der eroberten Sowjetunion drei „Reichsmarken“ gebildet werden:

„Ingermanland“ südlich von Leningrad;
das Narewgebiet mit Białystok und Litauen;
der „Gotengau“ mit Krim und dem Gebiet um Cherson.

Die für die „Eindeutschung“ zunächst gesetzte Frist von 25 Jahren wurde am 23. Dezember 1942 noch einmal auf 20 Jahre herabgesetzt und Böhmen und Mähren, Elsaß-Lothringen, die Untersteiermark und Oberkrain wurden auf Himmlers Wunsch ebenfalls der Planung zugeordnet. Die „frei gewordenen Gebiete“ in Osteuropa sollten mit mehreren Millionen Deutschen besiedelt werden. Voraussetzung zur vollen Umsetzung der Pläne wäre der militärische Sieg gegen die Sowjetunion gewesen.

Nach den Niederlagen der deutschen Truppen bei Moskau (Winter 1941/1942) und Stalingrad (Winter 1942/1943) rückte die Verwirklichung des Plans jedoch in immer weitere Ferne. Der Grad des tatsächlichen Umfangs und die Frage, welche Teile des GPO tatsächlich umgesetzt worden wären bzw. wurden, ist bis heute Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Kontroversen. Hierbei ist anzumerken, dass es sich beim GPO um verschiedene, teils konkurrierende Planungen unterschiedlicher Stellen handelte. Diese Planungskonkurrenz kann hierbei als typisch für viele NS-Projekte angesehen werden, da das Führerprinzip zumeist eine klare Abgrenzung der Planungshoheiten verhinderte. Insofern ist unklar, welche Planungen oder Planungsaspekte tatsächlich weiter verfolgt worden wären. Auch das Fehlen einiger Planungsdokumente (seit 1945 verschollen) erschwert die Forschung. Himmler selbst entwarf aber in einer Rede vor SS- und Polizeiführern des Gebiets Russland-Süd in Hegewald bei Schytomyr am 16. September 1942[8] und in einer zweiten vor SS-Junkern in Bad Tölz am 22. November 1942 unter der Überschrift „Heute Kolonie, morgen Siedlungsgebiet, übermorgen Reich!“ ein aufschlussreiches Bild von seinen eigenen Vorstellungen.[9]

Vertreibung und Vernichtung der slawischen Bevölkerung Osteuropas
Da die Mehrheit der einheimischen slawischen Völker für Eindeutschung ungeeignet schien und eine „Germanisierung“ nur für einen kleinen Teil geplant war, sah die mit einer Besiedlung durch Volksdeutsche bzw. Nordeuropäer einhergehende Dezimierung der 30 Millionen im Einzelnen vor:[10]

Vernichtung oder Vertreibung von 80–85 % der Polen;
Vernichtung oder Vertreibung von 50–75 % der Tschechen;
Vernichtung von 50–60 % der Russen im europäischen Teil der Sowjetunion, weitere 15–25 % waren zur Verlegung in den Osten (d. h. Umsiedlung bzw. Vertreibung hinter den Ural, nach Sibirien) vorgesehen;
Vernichtung von 25 % der Ukrainer und Weißrussen, weitere 30–40 % der Ukrainer und weitere 30–50 % der Weißrussen sollten in den Osten „ausgewiesen“ werden.


Ausgearbeitete Varianten des Generalplans Ost
Dokument 5: „Generalplan Ost“ erstellt am 28. Mai 1942 durch das Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (Umfang 84 Seiten).[13]
Inhalt: Beschreibung des Umfangs der geplanten Ostsiedlung in der Sowjetunion mit konkreter geographischer Abgrenzung der einzelnen Siedlungsgebiete. Das beplante Gebiet sollte 364.231 km² umfassen, einschließlich 36 „Siedlungsstützpunkten“ und drei „Siedlungsmarken“ im Großraum Leningrad (heute Sankt Petersburg), Krim-Cherson-Gebiet und im Memel-Narew-Gebiet (Bezirk Białystok und Westlitauen). Hierbei sollten Siedlerhöfe mit 40–100 ha Fläche sowie landwirtschaftliche Großbetriebe mit mindestens 250 ha Fläche entstehen. Die Zahl der hierfür benötigten Siedler wurde auf 5,65 Millionen geschätzt.[14] Hierzu sollten aus dem geplanten Gebiet rund 31 Millionen Menschen nach Sibirien deportiert oder ermordet werden.[15][16] Die Kosten der Planungen wurden auf 66,6 Milliarden Reichsmark geschätzt.
Dokument 6: „Generalsiedlungsplan“ erstellt im September 1942 durch das Planungsamt des RKF (Umfang: 200 Seiten einschließlich 25 Karten und Tabellen).
Inhalt: Beschreibung des Umfangs der geplanten Siedlungen in allen dafür vorgesehenen eroberten Gebieten mit konkreter geographischer Abgrenzung der einzelnen Siedlungsgebiete. Das beplante Gebiet sollte 330.000 km² mit 360.100 landwirtschaftlichen Betrieben umfassen. Die Zahl der hierfür benötigten Siedler wurde auf 12,21 Millionen Menschen (davon land- und forstwirtschaftliche Berufszugehörige: 2,859 Millionen) geschätzt. Hierzu sollten aus dem beplanten Gebiet rund 30,8 Millionen Menschen entfernt werden. Die Kosten der geplanten Maßnahmen wurden auf 144 Milliarden Reichsmark geschätzt.


Siehe auch:

Reichskommissariat Ukraine
Reichskommissariat Ostland
Reichskommissariat Moskowien (geplant)
[zo-zo]Moskowien sollte in etwa Moskau und die weitere Umgebung umfassen. Moskau selbst sollte jedoch, genau wie Warschau und Leningrad, laut Hitler „dem Erdboden gleichgemacht“ werden. Der Name Russland sollte ausgelöscht und durch die Bezeichnung Reichskommissariat Moskowien sowie Reichskommissariat Kaukasien und Reichskommissariat Ostland ersetzt werden. Für die slawische Bevölkerung war nach Hitlers und Himmlers Willen ein Sklavendasein unter deutscher Herrschaft vorgesehen, mit nur wenig Bildung. Die Russen sollten „durchaus niedergehalten werden“, hieß es in einer Anweisung. Deshalb wollte man auch die Schulen und Universitäten schließen. Die Juden und Roma sollten nach dem Willen der NS-Führung ausgerottet werden.
Tags: generalplan ost, Барбаросса, Капитализъм, историческое, не надо питать иллюзий, немцы, сыну
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